Positionierung im Panamera-Programm
Erst werden die frühen Trendsetter mit einer kleinen, konzentrierten Phalanx an teuren Topversionen bedient – und danach räumt man die restlichen Zweifler mit etwas Vernünftigerem und vergleichsweise Preiswerterem ab. Genau diesen Job haben Panamera S, 4S und der übermächtige Turbo als Speerspitze bereits erledigt. Jetzt stehen Panamera und Panamera 4 auf dem Plan: im Kern die Varianten mit Zwei- und Vierradantrieb von Porsches grosser Limousine, beide mit einem komplett neuen 300bhp V6.
Auch wenn es irgendwie kleinlich wirkt, eines der beiden Modelle als „Basis“ der Baureihe zu bezeichnen – schliesslich ist ein 300bhp V6 unter der Haube alles andere als kraftlos –, beginnt die Panamera-Welt genau hier. Also: „Basis“.
Fahrleistungen und Getriebe: 300bhp V6 und PDK
Die Eckdaten lesen sich überzeugend. Mit dem optionalen PDK-Doppelkupplungsgetriebe sprintet er in 6.3 seconds von 0-62mph; und für die meisten ist das ohnehin gesetzt. In der UK liegt die PDK-Quote beim Panamera ziemlich eindeutig bei 100 per cent. Oben heraus bleibt genug Reserve, um auf der Autobahn problemlos mitzuschwimmen: 161mph Spitze.
Fahreindruck: Klang, Servotronic und das Fahrwerk des Panamera
Beim Klang gibt es allerdings einen Haken: Bis rund 2,000rpm wirkt der V6 stimmig, danach wird er zunehmend brummig und neigt zum Dröhnen. Schnell ist der Wagen ohne Frage, nur verlangt er dafür, dass man ihn sauber ausdreht – und das fühlt sich in einem grossen Limousinen-Sportwagen ein wenig widersprüchlich an.
Eigenartig ist auch die Servotronic-Lenkung: An manchen Stellen wirkt sie klebrig, an anderen reagiert sie blitzartig wie ein Schlangenbiss. Dazu kommt, dass die Front spürbar leichter, spitzer und etwas nervöser erscheint – obwohl sich die Lenkung an sich gar nicht verändert hat. Das passt erneut nicht ganz zur sonstigen Gelassenheit des Autos.
Und trotzdem: Gerade der völlig unspektakuläre Heckantrieb hat für mich einen gewissen Reiz. Klar, das mühelose Drehmoment der V8-Modelle fehlt, dafür wirkt der V6 weniger einschüchternd – auch wegen des im Vergleich moderaten 1,730kg kerbweight. Richtungswechsel gelingen überraschend leicht, und das Fahrwerk könnte deutlich mehr Leistung verkraften, als der V6 überhaupt liefert. Das lässt Spielraum.
Hat man erst einmal eine glatte Strasse gefunden und sich an die schiere Masse des Panamera gewöhnt – enge Strassen auszutarieren ist unabhängig von der Motorleistung selten ein Vergnügen –, lässt sich der kleine Panamera ziemlich wirksam um die Kurven werfen. Nicht die kompromisslose Verbrannte-Erde-Politik des Turbo, zugegeben, aber deutlich effektiver, als es seine Form vermuten lässt.
Preis, Ausstattung und die heikle Nähe zum V8
Hält man sich bei den Extras zurück – und davon gibt es eine fast unüberschaubar vielköpfige Auswahl –, lässt sich ein V6 sogar am unteren Ende von £60k einsammeln. Allerdings: Auf schlechten, ausgefahrenen Belägen folgt er Spurrillen unangenehm stark. Und sobald man die „Wunsch“-Optionen zusammengerechnet hat, rückt der Preis beunruhigend nah an einen einfachen V8 Panamera S.
Wenn man jedoch den optionalen Drehknöpfen und Tasten widerstehen kann, ergibt der Panamera auf eine merkwürdige Art Sinn. Hässlich ist er weiterhin, und ich bin nicht sicher, ob er mich aus einem E63 herauslocken würde – aber der einfache Panamera ist begehrenswerter, als man vermuten könnte.
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