Rafael, der israelische Rüstungskonzern hinter Iron Dome, steht offenbar kurz davor, in Deutschland ein Volkswagen-Werk zu übernehmen. Diese mögliche Umwidmung von Auto- zu Rüstungsproduktion spiegelt den veränderten geopolitischen Druck weltweit deutlich wider.
Eine Verbindung, die zunächst überraschend wirkt, nimmt damit konkrete Formen an: Wie Reuters berichtet, soll Rafael Advanced Defence Systems eine Absichtserklärung unterzeichnet haben, um das Volkswagen-Werk in Osnabrück im Westen Deutschlands zu kaufen. Offiziell wollten sich weder Rafael noch Volkswagen zu dem Vorgang äussern. Volkswagen-CEO Oliver Blume bestätigte jedoch in einer Telefonkonferenz mit Investoren, dass der Konzern hinsichtlich der Zukunft des Standorts in fortgeschrittenen Gesprächen mit Unternehmen aus dem Verteidigungssektor sei.
Warum das VW-Werk Osnabrück zur Disposition steht
Zur Einordnung: Das Werk in Osnabrück beschäftigt 2 300 Menschen und fertigt derzeit das T‑Roc Cabriolet. Diese Produktion läuft 2027 aus. Volkswagen befindet sich mitten in einer Restrukturierung und sucht seit Monaten nach Optionen, den Standort zu verkaufen oder in eine andere Nutzung zu überführen. Gespräche mit Rheinmetall, dem deutschen Rüstungsschwergewicht, über eine mögliche Übernahme scheiterten Ende 2024. Seitdem gilt die Verteidigungsindustrie weiterhin als naheliegendste Alternative – auch, weil Europa derzeit massiv aufrüstet.
Ein wichtiger Akteur hinter Iron Dome
Rafael Advanced Defence Systems wurde 1948 als Forschungslabor der israelischen Armee gegründet und zählt heute zu den einflussreichsten Rüstungsunternehmen weltweit. Das Unternehmen ist im Besitz des israelischen Staates, beschäftigt rund 10 000 Mitarbeitende und ist der grösste Arbeitgeber im Norden des Landes. Auch wirtschaftlich steht Rafael im aktuellen Umfeld stark da: 2025 meldete der Konzern einen Rekordumsatz von 6,8 Milliarden Dollar und einen Auftragsbestand von 23 Milliarden Dollar – fast die Hälfte davon aus dem Ausland.
Bekannt wurde Rafael vor allem durch seine Luftverteidigungs- und Abwehrsysteme. Rafael gehört zu den wichtigsten Partnern von Iron Dome, das Kurzstreckenraketen abfängt. Dazu kommen David’s Sling, ausgelegt gegen ballistische Flugkörper mittlerer Reichweite, sowie Iron Beam, ein Laser-System der neuesten Generation. Darüber hinaus entwickelt Rafael Spike-Panzerabwehrraketen, Schutzsysteme für gepanzerte Fahrzeuge sowie Cyber-Werkzeuge und Drohnen, die in mehr als 20 Ländern exportiert werden, darunter mehrere NATO-Mitglieder.
Welche Produktion Rafael in Osnabrück plant
Das Werk in Osnabrück könnte Rafael ermöglichen, Komponenten für Raketen zu fertigen – insbesondere Motoren. Explosivstoffe würden aus Sicherheitsgründen nicht dort hergestellt, sondern an einem separaten Standort. Zugleich soll die deutsche Bundesregierung daran interessiert sein, die Kontrolle über Verteidigungstechnologien zu behalten, die auf deutschem Boden entwickelt werden.
Unsere Analyse:
Dass diese Annäherung zustande kommt, ist aus Sicht der Branche nachvollziehbar. Für Rüstungsunternehmen bedeutet die Kooperation mit Automobilwerken Zugang zu eingespielter Facharbeit, zu passenden Metallbearbeitungsanlagen und zu Produktionskapazitäten in einer Grössenordnung, die eigene Standorte nicht immer bereitstellen.
Die Kriege in der Ukraine und im Iran haben zudem die militärischen Bedarfe spürbar verschoben – besonders bei Drohnen und bei Systemen zur Raketenabwehr. Die zivile Industrie reagiert darauf. Zumal sie offenkundig frisches Kapital braucht.
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