Alles Gute zum Geburtstag, Golf GTI? Wie viele Jahre sind es denn nun?
45 Jahre – eine ordentliche Hausnummer. 1976 hat Volkswagen der Welt zum ersten Mal einen schnellen Golf präsentiert: ein bisschen Zierde am Kühlergrill, dazu ordentlich Schub von hinten.
1976 liegt weit zurück. In diesem Jahr hob der Concorde-Linienverkehr erstmals kommerziell ab, und drei US-Tüftler taten sich zusammen, um etwas namens Apple Computer Company aus der Taufe zu heben.
Danke für den spontanen Geschichtsunterricht. Warum feiert VW 45 Jahre GTI?
Weil man in Wolfsburg offenbar alle fünf Jahre gern eine Sonderauflage nachschiebt – als Erinnerung daran, dass der GTI sich immer wieder neu erfindet, aktuell bleibt und eine treue Fangemeinde um sich schart.
Das läuft im Grunde seit dem GTI Mk3 „20 Years Edition“. Vermutlich ist das an dir vorbeigegangen – ebenso wie die Mk4 „Edition 25“ –, weil das eben die schlechten GTIs waren.
Der wirklich starke Mk5 GTI brachte dann die „Edition 30“ hervor: grösserer Turbo, schicke BBS-Felgen und ein Bodykit. Ein gutes Auto. Fünf Jahre später folgte die Mk6 „Edition 35“. Und beim Mk7 Golf kam die „Clubsport Edition 40“ dazu – die war besonders gelungen.
Diese Geburtstags-GTIs folgen meist derselben Formel: sportlichere Räder, ein paar Plaketten und Zierleisten, dazu vielleicht ein Hauch mehr Leistung. Willkommen in 2021 – und damit beim Zug des Mk8 GTI.
Was ist beim GTI Clubsport 45 neu?
Zuerst fallen die 19-Zoll-Felgen (48,3 cm) auf. Serienmässig sind sie schwarz mit roter Zierlinie. Hm. Da ist man sich nicht automatisch sicher, oder? Dazwischen sitzen neue Aufkleber im Sechseck-Motiv, und hinten an den Türen prangt eine gross gesetzte „45“.
Vorn steckt der bissigere Stossfänger des normalen GTI Clubsport. Dahinter arbeitet derselbe 2,0-Liter-Turbomotor, der 296 bhp liefert. Serienmässig ist er an VWs 7-Gang-DSG mit Schaltwippen gekoppelt.
Hinten bleibt der höhere Clubsport-Heckflügel, aber die Serienabgasanlage ist verschwunden. Stattdessen gibt es eine ziemlich grandiose Titan-Anlage von Akrapovic – vermutlich der aggressivste Umbau am 45. Die Endrohre sind riesig: gelocht, unter dem Heckdiffusor versteckt, wirken sie bedrohlich und gleichzeitig verführerisch.
Gibt es sonst noch Änderungen?
Ja: schwarzes Dach, schwarze Spiegelkappen und ein kleines „45“-Emblem am Lenkrad. Alles andere entspricht dem regulären GTI Clubsport.
Also: dieselben Sitze ohne Karomuster, dieselbe eigenwillige Armaturenbrett-Zierleiste mit Mesh-Optik, und die gleichen Grafiken auf den 12,3-Zoll-Displays (31,2 cm).
Eine weitere Änderung ist unsichtbar, nicht anfassbar und auch nicht „schmeckbar“: der Geschwindigkeitsbegrenzer. Er ist weg. Statt bei 250 km/h (155 mph) elektronisch Schluss zu machen, rennt dieser vernünftige Familien-Kompakte nun bis 269 km/h (167 mph). Nett zum Angeben – aber es dürfte den Weg zur Arbeit kaum spannender machen, ausser du pendelst zufällig über den Nürburgring.
Sag nicht, der GTI Clubsport wurde von cleveren Deutschen in der „Grünen Hölle“ geschliffen …
Doch, genau das: Angeblich ist der Clubsport dort 13 Sekunden schneller als ein normaler GTI mit 242 bhp.
Es gibt sogar einen speziellen Modus, tief im Touchscreen-Menü vergraben, der explizit auf die fahrwerksmordenden Kurven der Nordschleife zugeschnitten ist. Aber dazu gleich.
Willst du dir etwas von der Seele reden?
Ein bisschen Enttäuschung über die Ausstattung des 45 bleibt, ehrlich gesagt. Klar, diese Editionen sind selten radikal – trotzdem wäre es schön gewesen, wenn Volkswagen zum ersten Mal das Handschaltgetriebe mit dem kräftigeren Clubsport-Motor kombiniert hätte. Oder wenigstens die Grafik im Einstellungsmenü aktualisiert hätte, damit dort ein GTI Clubsport angezeigt wird und nicht ein GTI in Basisausführung.
Ein paar zusätzliche GTI-45-Logos oder die längeren Schaltwippen aus dem Golf R hätten dem eher tristen Innenraum ebenfalls gutgetan. Schliesslich soll dieses Auto die Langlebigkeit des GTI feiern und der treuen Fangemeinde „Danke“ sagen. Warum wirkt die Stimmung dann so feierlich im Beerdigungs-Sinn?
Fahrdynamisch bringen die „45“-Zutaten nämlich kaum Veränderung. Die neuen Räder sparen keine ungefederten Massen, und selbst die Gewichtsersparnis durch die Abgasanlage soll praktisch nicht ins Gewicht fallen. Die Beschleunigung entspricht dem normalen Clubsport: 0–100 km/h (0–62 mph) in 5,6 Sekunden.
Aber klingen werde ich damit schneller, oder? Oder?
Leider klingt der GTI 45 trotz der Designer-Endrohre kein bisschen wütender als die Standardversion.
Beim Starten hörst du vielleicht ein etwas kernigeres Grummeln – aber den Unterschied nimmst du eigentlich nur wahr, wenn du den Startknopf drückst, sofort aussteigst und nach hinten sprintest, um zu lauschen. Das sorgt eher für neugierige Nachbarschaftsfragen.
Im Innenraum bleibt das eingespielte Motorgrollen unverändert, und Schubabschalt-Knallen und -Knistern ist inzwischen nicht mehr drin. Wegen Emissionen.
Na und? Es ist ein GTI mit ein paar Extras – und er sieht doch stark aus. Kein Drama.
Der Preis ist allerdings sehr wohl ein Drama. Für einen GTI Clubsport 45 werden £39.990 fällig. Das sind £2.750 mehr als für einen GTI Clubsport – ziemlich viel Geld für ein paar Aufkleber, ein Emblem, eine Höchstgeschwindigkeit, die du nie abrufen wirst, und eine Abgasanlage, die du kaum hörst.
Zumal der grossartige Golf R – mit mehr Leistung und Allradantrieb – für ungefähr £600 weniger zu haben ist. Kurios: Allein die Akrapovic-Anlage für den R kostet satte £3.100. Vermutlich, weil man am Ende vier Endrohre statt zwei bekommt.
Also kein besonders guter Deal …
Kurz gesagt: nein. Ausser du bist ein echter Kenner und Sammler von allem, was „GTI“ heisst, hast Karomöbel zu Hause und „UR-KOMPAKTSPORTLER“ auf die Knöchel tätowiert – dann bist du mit einem normalen GTI Clubsport im wahrsten Sinn besser dran. Und der ist, nebenbei bemerkt, ab Werk ein sehr guter Sport-Kompakter.
Du meintest, er sei auf den Nürburgring abgestimmt?
Ja – wobei man diese Einstellung genauso gut „Britischer-B-Strassen-Modus“ nennen könnte. Das liesse sich nur nicht so gut verkaufen.
Aktivierst du den Nürburgring-Modus mitten im Gefecht auf einer typisch welligen, buckligen Landstrasse, spürst du, wie die Dämpfer des Clubsport nachgeben und die Härte des Belags deutlich besser wegfiltern.
So bleibt die stark geforderte Vorderachse sauber mit der Strasse verzahnt, und das Sperrdifferenzial kann so viel Drehmoment zwischen den Vorderrädern verteilen, wie du dich traust anzufordern.
Unterm Strich ist das ein brutal schnelles Auto von Punkt zu Punkt – und dabei fühlt es sich unter dir lebendiger und agiler an als etwa ein Audi S3, ohne den nervösen „Meine Güte, was passiert als Nächstes?“-Stress eines Renault Mégane Trophy.
Er ist flink und sehr sauber abgestimmt. Trotzdem steckt in diesem Mk8-Golf-GTI-Paket noch genug Spielraum für etwas mit der Aggressivität eines Honda Civic Type R und dem Humor von Hyundais grandiosem i30N: eine echte Feier für alles, was „schnell“ und „Golf“ ist.
2026 wären es dann, wenn ich richtig rechne, 50 Jahre GTI. Jetzt bist du dran, Volkswagen …
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