Der unterschätzte Diesel im Jaguar XJ
Manchmal ist ausgerechnet der vernünftigste Motor der Baureihe – die Diesel-Version, die normale Menschen tatsächlich aus eigener Tasche kaufen – nur die nüchterne Basis, auf der Hersteller ihre verführerische Propaganda für die stärkeren Varianten aufbauen. So ein Modell wirkt oft ungefähr so aufregend wie Haferbrei: Er erfüllt seinen Zweck ordentlich, aber kaum jemand setzt sich mit riesiger Vorfreude an eine Schüssel.
Umso überraschender steht hier der Jaguar XJ 3.0D V6, der in Grossbritannien rund drei Viertel des XJ-Absatzes ausmachen dürfte – und der ist wirklich ziemlich grossartig. Und schnell. Und dazu bemerkenswert leise. Wenn es je ein Auto gab, bei dem man „Diesel“ in grossen, grell fluoreszierenden Buchstaben auf den Tankdeckel schreiben sollte, dann dieses.
Leistung und Effizienz des Jaguar XJ 3.0D V6
Dieser Motor verrichtet auch im XF S Diesel seinen Dienst, und selbst im – trotz seiner deutlich grösseren Erscheinung – erstaunlich wenig pummeligen XJ gibt es daran nichts zu mäkeln. Ein Blick auf die Daten verrät, was zu erwarten ist: 0-62mph in 6.4 seconds (0–100 km/h), dazu 155mph (ca. 249 km/h) Spitze – und das mit einer für diese Klasse ungewöhnlichen Genügsamkeit. Diese Limousine sollte etwa 40-ish mpg schaffen (grob rund 7,1 l/100 km), sofern man sie halbwegs vernünftig bewegt.
Was ich aus Gründen des Herumlungerns auf der Überholspur nicht getan habe. Der V6 stemmt 275bhp (ca. 279 PS) und sehr befriedigende 443lb ft of torque (rund 600 Nm) – und dieses Drehmoment steht praktisch jederzeit bereit.
Getriebe, Fahrmodus „Track“ und Dynamik
Die Sechsstufen-Automatik macht dabei als gefühlt gedankenlesende Freude mit, und wer unbedingt will, kann weiterhin das komplette XJ-Programm für mehr Tempo abrufen. Dazu gehört auch ein „Track“-Modus: Die Instrumente wechseln auf Rot, verschiedene fahrrelevante Parameter werden angepasst, und per Schaltwippen lässt sich das Getriebe so bedienen, dass es beim Zurückschalten automatisch Zwischengasstösse setzt.
In der Stadt wirkt das Fahrwerk – wenn man brutal ehrlich ist – etwas straff. Dafür lohnt sich die Präzision, die diese leichte Anspannung auf einer kurvigen Landstrasse erzeugt. Die Lenkung arbeitet treffsicher, die Bremsen sind zwar servounterstützt, bleiben dabei aber ehrlich und gut dosierbar.
Innenraum, Kritikpunkte und Konkurrenz zu Mercedes und BMW
Allerdings fühlt und klingt der XJ minimal hohl: Das ist ein Auto, das zur Gewichtsersparnis konsequent abgespeckt wurde, bevor man die luxuriösen Extras wieder hineingepackt hat. Trotzdem fällt es selbst bei flüsterleise eingestellter Anlage nach etwa fünf Minuten nicht mehr auf.
Wirklich viele Schwächen gibt es nicht. Manche werden weiterhin über das Heck diskutieren, die Uhr auf dem Armaturenbrett wirkt etwas billig, und die Schaltwippen dürften sich gern hochwertiger anfühlen. Doch mit diesem Innenraum und der Kombination aus Motor und Getriebe steht hier ein Wagen, der vieles von den besten Eigenschaften der deutschen Limousinen-Konkurrenz mitbringt – ergänzt um eine Portion britische Brillanz. Das ist ein selbstbewusstes Auto, das Jaguar weiter in den Bereich klarer Konkurrenzfähigkeit zu Mercedes und BMW schiebt. Ehrlich gesagt fühlt sich der XJ sogar wie die bessere Wahl gegenüber den Deutschen an. Her mit dem Vergleichstest.
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