Zum Inhalt springen

Mini Clubman John Cooper Works gegen VW Golf GTI: der schnellste Clubman im Test

Roter Mini Cooper mit schwarzen Streifen fährt bei Abenddämmerung auf einer belebten Stadtstraße.

Der Clubman mit seinen schräg konstruierten Türen und dem auffallend kleinen Kofferraum hat sich noch nie sauber in klassische Fahrzeug-Schubladen einordnen lassen. Jetzt verpasst Mini dem eigenwillig „öffnenden“ Familienauto allerdings das komplette John Cooper Works-Programm – und macht daraus den bisher schnellsten Clubman überhaupt. Damit drängt er direkt in das Revier der Hot-Hatches. Nur: Passt diese Rolle wirklich zu ihm, oder wird er dort schnell wieder „auf seinen Platz“ verwiesen?

Mini Clubman John Cooper Works: Daten, Optik und Versprechen

Auf dem Papier bringt der Clubman JCW genau das mit, was man braucht, um bei den etablierten Hot-Hatches mitzumischen. Unter der Haube arbeitet derselbe 1,6-Liter-Turbomotor wie im zweitürigen Mini JCW, mit identischen 208 PS. Dazu kommt das volle Programm an Anbauteilen, wie man es von JCW kennt: Lufteinlässe, Schweller, Schürzen – plus reichlich Chrom.

Beschleunigung und Traktionskontrolle: schnell, wenn die Front mitspielt

Wenn die Leistung tatsächlich auf den Asphalt kommt, ist der Clubman JCW richtig schnell: 0–100 km/h in unter sieben Sekunden ist echtes Hot-Hatch-Tempo. Das grosse „wenn“ bleibt jedoch – denn wie beim Mini JCW pflegen auch hier die Vorderräder eine Art On-off-Beziehung zur Strasse. Mit voll aktivierter, übervorsichtiger Traktionskontrolle und auf nasser/kalter/kurz: nicht perfekter Fahrbahn wird der Vortrieb von einem ruckeligen Dauerfeuer elektronischer Eingriffe ausgebremst. Die mittlere Traktionskontroll-Stufe „DSC“ funktioniert deutlich besser, weil sie wenigstens zulässt, dass die Räder überhaupt sauber drehen.

Fahrgefühl: Sitzposition, Lenkung und Fahrwerk im Alltag

Ist der Clubman JCW einmal in Fahrt, spricht dennoch einiges für ihn. Die Sitzposition passt, die Lenkung wirkt angenehm gewichtet und reagiert direkt. Durch den längeren Radstand fährt er weniger nervös als der Mini JCW, sobald das Heck lose wird (und das passiert oft). Trotz des sehr straffen Fahrwerks federt er überraschend ordentlich ab – wobei Schlaglöcher ihn aus der Ruhe bringen können.

Was allerdings auffällt: Für ein Auto dieser Grösse fühlt er sich zu schwer an – möglicherweise der Tribut an all die Türen. Entsprechend wirken seine Reaktionen einen Tick weniger leichtfüssig, als man es in dieser Klasse erwarten würde.

Preis und Konkurrenz: VW. Golf. GTI.

Das grösste Problem des Clubman JCW lässt sich dennoch in drei Worten zusammenfassen: VW. Golf. GTI. (Gut, irgendwie drei „Wörter“.) Zwar gibt es schönes Leder serienmässig, trotzdem steht der Clubman JCW mit 22.230 Pfund Sterling in der Liste – nur ein paar Hundert Pfund weniger als ein dreitüriger Golf GTI (und das noch bevor man Minis berüchtigte Optionspakete ankreuzt). Das ist gefährliches Terrain: Der Golf liefert deutlich mehr Platz und Nutzwert, kombiniert mit einem echteren, schärferen Hot-Hatch-Fahrverhalten.

Man könnte einwenden, dass sich derselbe Vergleich auch bei einem Diesel-Clubman gegen einen Diesel-Golf ziehen liesse. Mag sein – in den nüchterneren Varianten kann der Clubman aber wenigstens seine Schrulligkeit ausspielen, um Käufer von sachlicheren, praktischen Alternativen wegzulocken. In der Hot-Hatch-Welt wirkt das eigenartige Packaging hingegen eher wie eine unnötige Verrenkung: schwer, unpraktisch – und damit ein Nachteil in einem Segment, das gerade die Mischung aus süssem Handling und echter Alltagstauglichkeit sucht. Der JCW ist nicht schlecht, doch ausser man hat schräge Türen und einen Anti-Tardis-Kofferraum ausdrücklich auf der Einkaufsliste, gibt es keinen Bereich, in dem er den GTI schlägt. Netter Versuch – aber am Ende kein Treffer.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen