Zielgruppe und Positionierung des Kia Venga
Der Venga schielt ganz unverblümt auf das „Blauhaar-Pfund“, wie auch immer man diese Kaufkraft nennen will. Weil viele Menschen im höheren Alter darauf bestehen, noch älter zu werden, wird dieses Publikum nur weiter wachsen – und Kia hat keinerlei Hemmungen, schnurstracks auf deren Rentenkasse zuzusteuern.
Kia ordnet den Venga dem „B-plus“-Segment zu: größer als ein Fiesta, aber kleiner als ein Cee’d. Unterm Strich ist er damit ein hoher Kompakter im Stil eines Ford Fusion oder Vauxhall Meriva (bei uns als Opel Meriva bekannt). Die Basis teilt er sich mit dem auffälligeren Soul, steht aber etwas höher – Ein- und Aussteigen gehen dadurch kinderleicht.
Innenraum: Sitze, Stauraum und Kofferraum
Innen setzt sich der Pragmatismus fort – am besten sieht man das an den Sitzen. Klar, Mitfahrer sind nett, aber sobald du sie abgesetzt hast, bleibt deren Beinfreiheit als verschenkter Raum zurück. Im Venga lassen sich die Rücksitze nach vorn schieben: Das knabbert die Kniefreiheit massiv an, vergrößert dafür aber den Laderaum. Außerdem klappt die Teilung 60/40. Neu ist die Idee nicht, doch in einem kleinen Auto, in dem nutzbarer Platz stets knapp ist, ergibt sie schlicht Sinn.
Die gleichen Sitze legen sich per Hebelzug flach, und unter dem Kofferraumboden steckt ein Fach, in dem man Dinge vor neugierigen Blicken verstecken kann. Dort passen 18 Liter von allem hinein, was du dort lagern möchtest; zugleich wächst das Kofferraumvolumen bei aufgestellten Sitzen auf 570 Liter – übrigens mehr als beim Golf Estate am Rand dieser Seite. Dafür darf man sich bei der hohen Dachlinie bedanken.
Fahren und Motor: 1,4-Liter-Diesel, Verbrauch und Garantie
Auf dem Fahrersitz wirkt alles, wie Gordon Brown es wohl „umsichtig“ nennen würde. Lenkung und Fahrwerk erledigen ihre Aufgaben, aber wer im Venga ernsthaft nach fahrerischen Kicks sucht, döst nach einiger Zeit eher gelangweilt weg. Uns wurde versprochen, dass sich UK-Modelle spritziger anfühlen sollen (wir fuhren eine Euro-Spezifikation) – ob die anvisierte Freedom-Pass-Kundschaft diesen Unterschied überhaupt wahrnimmt, bleibt vermutlich ein Rätsel.
Der 1,4-Liter-Diesel hängt sich bis etwa 2.500 U/min etwas lustlos rein; dann kommt der Ladedruck und reißt dich aus der Müdigkeit. Ganz so seidig wie manche Konkurrenz läuft er nicht – aber das ist eben ein Kia, und für Seide bezahlst du hier auch nicht. Er macht seinen Job ordentlich und untermauert das mit 60 mpg und 124 g/km CO2. Preislich liegt er auf Rivalen-Niveau, doch die siebenjährige Garantie radiert praktisch alles aus, was andere Hersteller anbieten.
Alternative: Citroen C3 Picasso
Wenn du genau diese Art Transportmittel brauchst, aber noch nicht so im Ruhestand angekommen bist, dass du einen Venga willst: Blättere auf S.151 dieses Hefts und schau dir TopGears Lieblings-Alternative in diesem Segment an – den Citroen C3 Picasso. Er kostet ein paar Hundert mehr, beherrscht aber ebenfalls den Schiebe-Sitz-Trick und die „Tonnen Stauraum“-Nummer und zeigt dabei, dass praktisch nicht automatisch langweilig heißen muss.
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