Es gibt nur wenige Möglichkeiten, auf öffentlichen Strassen ein Gefühl wie im Tourenwagen zu bekommen – doch Mugen will genau das möglich machen. Der japanische Tuner, der seit jeher auf Honda spezialisiert ist, bringt das Type-R-Konzept, das er im Sommer aufgebaut hat, in eine streng begrenzte Kleinserie. Und wenn hier von „limitiert“ die Rede ist, dann ist es diesmal wirklich ernst gemeint: Es entstehen lediglich 20 Fahrzeuge, und alle sollen im Frühjahr nach Grossbritannien gehen.
Für einen der 20 Plätze müssen Käufer allerdings tief in die Tasche greifen. Aufgerufen werden £38,599 – rund £20,000 mehr als beim Serienmodell. Das ist selbst für einen derart leistungsfähigen Kompaktsportler wie diesen Mugen Civic eine stolze Summe.
Limitierte Kleinserie: 20 Mugen Civic Type R für Grossbritannien
Mit dem Schritt in die Produktion holt Mugen das bislang gezeigte Konzeptfahrzeug auf die Strasse – allerdings ohne den Anspruch, daraus ein Massenprodukt zu machen. Der Fokus liegt klar auf Exklusivität: 20 Autos, ein Markt, ein Zeitraum.
Dass sämtliche Exemplare in das Vereinigte Königreich gehen, unterstreicht die Ausrichtung. Wer also ausserhalb des UK auf ein Auto spekuliert, wird leer ausgehen – zumindest bei dieser Auflage.
Technikpaket: 238 PS, neue Abgasanlage und aktives Aerokit
Für fast £40k bekommt man nicht nur ein anderes Emblem. Der Motor wird überarbeitet und leistet nun 238 PS. Dazu kommt eine komplett neue Abgasanlage, ausserdem geschmiedete Leichtmetallräder, die an jeder Ecke 32 Prozent leichter ausfallen. Auch am Fahrwerk wird Hand angelegt, vorn werden grössere Bremsen montiert – und das Ganze wird von einem auffälligen, zudem aktiven Aerodynamik-Kit begleitet.
Wer bereit ist, noch mehr Geld bei Mugen zu lassen, kann den Wagen weiter „verschlanken“ lassen – indem mehr Teile aus dem Auto verschwinden. Optional lassen sich die Rücksitze ausbauen, vorn können Recaro-Sitze einziehen, und es gibt griffigere Reifen zur Auswahl.
Unterm Strich lassen sich damit gegenüber dem normalen Civic Type R mehr als 100 kg einsparen. Die „Standard“-Variante des Mugen reduziert das Gewicht im Vergleich dazu um 20 kg. Aus meiner Sicht ist ein Preis von beinahe £40k für einen Civic bereits schwer zu verdauen – ich würde deshalb bei der normalen Ausführung bleiben.
Fahreindruck mit dem Mugen Civic Type R: Balance, Reaktion und Bremsen
Und trotzdem: Warum sollte man sich nicht schon an der Basisversion erfreuen, wenn sie so überzeugend fährt? Es ist ein beeindruckendes Auto. Abseits eines Porsche 911 GT3 RS gibt es nur wenig, das derart willig anspricht und so prompt auf jeden Befehl reagiert. Der Type R wirkt jetzt hervorragend austariert; er vermittelt das Gefühl, als würde das Auto um den Fahrer herum drehen. Ja, es gibt Untersteuern – doch auf der Landstrasse fährt man in der Regel nicht in einem Tempo, in dem das zum grossen Thema wird. Und ich würde wetten, dass dieses Auto mindestens so viel Spass macht und ähnlich schnell ist wie ein Ford Focus RS.
Man lenkt ein, spürt, wie die Vorderreifen um Traktion ringen, bleibt am Gas, während das Sperrdifferenzial versucht, die Front in die Kurve zu ziehen, legt den nächsten Gang mit einem erstaunlich präzisen Schalthebel ein – und richtet den Blick schon auf die nächste Biegung. Das Auto fühlt sich lebendig an, es ist brillant und macht süchtig.
Fairerweise: Wir sind den Wagen auf einer flachen Rennstrecke gefahren, deshalb kann ich zur Federung auf schlechten Strassen nicht viel sagen. Tom Ford meinte allerdings, das Konzept sei besser gedämpft gewesen als der normale Type R. Und bei dieser Vorserien-Spezifikation sind die vorderen Federn etwas weicher als beim Konzept – entsprechend dürfte der Komfort durchaus passen.
Der Motor zeigt sich dabei erstaunlich elastisch. Selbst beim gemütlichen Dahinrollen hat man nicht ständig das Gefühl, für etwas Durchzug permanent herunter schalten zu müssen. Gleichzeitig wirkt das Hochdrehen und die Reaktion auf den rechten Fuss wie bei einem Rennwagen. Und falls jemand wegen der von Tom erwähnten Resonanzen aus seinem Bericht besorgt ist: Das Auto ist weiterhin laut, aber der kurze Einkaufstrip endet nicht mit dröhnenden Ohren.
Kritikpunkte: Auspuffattrappen und der hohe Preis
Der grösste Dämpfer: Die runden, glänzenden Endrohre sind weiterhin nur Attrappen. Das echte Abgasrohr – und es ist winzig – ist im Inneren des Chroms zu erkennen. Komm schon, Mugen: Ihr seid ein Ingenieursunternehmen mit ruhmreicher Geschichte. Schein-Endrohre passen einfach nicht zu euch.
Umso merkwürdiger ist das Festhalten daran, weil der Rest so sauber umgesetzt wirkt. Überflüssige, „blinde“ Lufteinlässe in der Karosserie gibt es nicht mehr (beim Konzept waren sie überall zu finden), und die Bremsen überzeugen auf ganzer Linie. Wir haben viele Runden auf der Strecke gedreht, und zu keinem Zeitpunkt liess die Wirkung nach. Beim Anbremsen hat man jedes Mal volles Vertrauen: genügend Rückmeldung, um zu verstehen, was passiert, aber nicht so aggressiv, dass man sich bei jeder Verzögerung durch die Frontscheibe befördert fühlt. Für ein Strassenauto ist das nahezu ideal.
Es ist offensichtlich, wie viel Entwicklungsarbeit, Aufwand und technisches Können in diesem Mugen steckt. Im Ergebnis ist es das Auto, das der Civic Type R eigentlich schon immer hätte sein sollen. Wer regelmässig auf die Rennstrecke fährt, findet hier sehr wahrscheinlich den Kompaktsportler, dem auf dem Kurs kaum etwas das Wasser reichen kann. Gleichzeitig bleibt er extrem teuer – und das nimmt dem Ganzen einen Teil des Glanzes. Grossartig, aber nicht makellos.
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