Dem betagten Vectra Kombi wird man damit fast schon unrecht tun – auch wenn er als mürrischer, kantiger Klotz von Auto nie gerade ein Sympathieträger war. Denn der Insignia Sports Tourer (einen Kombi nennt man heute ja nicht mehr Kombi, Liebling) sieht um Welten besser aus, fährt sich deutlich angenehmer – und schafft es obendrein, beim Kofferraumvolumen mit dem Vectra gleichzuziehen.
Auf den ersten Blick wirkt das kaum glaubhaft, wenn beide nebeneinander stehen: Hier das riesige, quaderförmige Heck des Vectra, dort das geschwungene, geschniegelt gezeichnete Hinterteil des Insignia. Trotzdem stimmt es: Mit aufgestellten Sitzen bietet der Insignia 540 Liter Ladevolumen – exakt wie der Vectra und nur minimal weniger als der Mondeo.
Kofferraum und Nutzwert im Insignia Sports Tourer
Ganz perfekt ist der Laderaum allerdings nicht geschnitten. Unten spreizt er sich deutlich – dafür darf man der breiteren Spur des Insignia danken – und nach oben hin wird er schmaler. Wer also komplett montierte Kleiderschränke einschieben möchte, könnte ins Fluchen geraten. Für die meisten Einsatzzwecke steckt hier hinten jedoch reichlich Platz.
Dazu kommen ein paar clevere Details, die den Insignia über die Rolle des reinen Lastentiers hinausheben: In höher ausgestatteten Varianten gibt es eine elektrische Heckklappe, die sich vom Fahrersitz aus entweder ganz oder auch nur teilweise öffnen lässt.
Motor: 1,6‑Liter‑Turbobenziner mit 178 bhp
Ebenso überzeugend gibt sich der 1,6‑Liter‑Turbo-Benziner. Das 178 bhp starke Aggregat kennt man bereits aus dem Astra. Und auch wenn diese Version beim Insignia nur einen kleinen Anteil der Verkäufe ausmachen dürfte (gerade einmal rund fünf Prozent), sollte man sie sich ansehen, bevor man automatisch zu einem der allgegenwärtigen Diesel greift.
Im Programm sitzt der 1.6 zwischen den 1,8‑ und 2,0‑Liter‑Benzinern, punktet aber bei Verbrauch und CO2‑Werten gegenüber beiden. Selbst im eher schwergewichtigen Insignia bleibt er ein spritziger Motor: Aus dem Stand bringt er den Kombi in 8,7 Sekunden auf 60 mph (ca. 97 km/h) und liefert beim Lupfen ein schönes, fauchendes Zischen des Turbos.
Besonders gut gefällt die Drehmomentkurve: Das maximale Drehmoment liegt sehr gleichmässig an – von 2.200 bis 5.500 U/min. Heisst: Schub ist genau dann da, wenn man ihn im Alltag braucht. Wer den Insignia allerdings bis unters Dach mit Ziegeln, Kindern und Pferdefutter vollpacken will, fährt mit dem 2,0‑Liter‑Diesel wahrscheinlich besser. Auf Fahrten mit nur einer Person an Bord macht der Benziner jedoch eindeutig mehr Spass.
Fahrgefühl und Vergleich mit Ford Mondeo & Co.
Wichtig ist dabei die Radwahl. Mit den optionalen 19‑Zöllern (£475) wirkt der Wagen nicht nur deutlich stimmiger, sie nehmen auch das leicht diffuse Gefühl an der Hinterachse, das der Insignia auf den serienmässigen 17‑Zoll-Rädern zeigt – ohne dass die ansonsten saubere Federung darunter leidet. Trotzdem bleibt er fahrerisch einen Hauch weniger befriedigend als der Mondeo … allerdings wirklich nur einen Hauch.
Unterm Strich liegt der Vauxhall so nah am Ford, dass es sich lohnt, beide direkt hintereinander zu fahren – und vor allem zu prüfen, wer Ihnen das bessere Angebot macht –, bevor Sie Geld ausgeben. Und noch etwas: Wer eigentlich über einen Basiskombi von 3‑Series, C‑Class oder A4 nachdenkt, sollte dem Insignia ruhig eine kurze Chance geben. Ehrlich. Über den Vectra hätte man das kaum sagen können, oder?
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