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Die deutsch-französische KNDS-Gruppe stellte auf der Eurosatory 2026 den CAPINT vor – eine gepanzerte Plattform, die als Antwort auf die von der französischen Armee geforderte „intermediäre Fähigkeit“ konzipiert wurde. Das Konzept verbindet ein Fahrgestell deutschen Ursprungs aus der Leopard-Familie mit einem unbemannten Turm, der mit der 120‑mm-Ascalon-Kanone ausgerüstet ist. Ziel ist eine Übergangslösung, bis der künftige europäische Kampfpanzer verfügbar ist. Zona Militar besuchte dazu den KNDS-Stand auf der Messe in Paris Nord Villepinte.
Eine Antwort auf Frankreichs „intermediäre Fähigkeit“
Mit CAPINT adressiert KNDS aus Sicht der französischen Armee ein sehr konkretes Problem: die zeitliche Lücke zwischen den heute verfügbaren Leclerc-Kampfpanzern, die auf den Standard XLR modernisiert werden, und der späteren Indienststellung des MGCS (Main Ground Combat System). Dieses nächste, gemeinsam von Frankreich und Deutschland entwickelte Kampfpanzer-System soll nach aktuellen Planungen erst nach 2040 zulaufen. Durch diese Verschiebung benötigt Paris eine Überbrückungsfähigkeit, um die schwere gepanzerte Komponente für die kommenden anderthalb Jahrzehnte aufrechtzuerhalten.
Vor diesem Hintergrund setzt KNDS auf eine Architektur, die bewusst auf ausgereifte Lösungen aus dem eigenen Portfolio zurückgreift, statt auf den vollständigen Reifegrad des MGCS zu warten. Die industrielle Logik dahinter: ein bewährtes Leopard-Familien-Fahrgestell mit etablierter Mobilitäts-/Antriebsarchitektur und der Möglichkeit zusätzlicher Schutzkits wird mit einem turmseitigen System der nächsten Generation aus dem eigenen Haus kombiniert. Damit sollen Integrationsaufwand, Risiken und Zeitbedarf reduziert werden.
Deutsches Fahrgestell und unbemannter Turm mit der Ascalon 120
Das Herzstück des Vorschlags ist der unbemannte (robotisierte) Turm mit der Ascalon-Kanone. Ascalon ist die Kurzbezeichnung für eine automatisch nachladende, skalierbare Hochleistungs-Kanone. Das von KNDS Frankreich entwickelte System ist als 120‑mm-Kanone mit automatischem Lader ausgelegt, lässt sich bis 140 mm skalieren und basiert auf einem kompakten Munitionskonzept mit teleskopischer Bauform. Die offene Systemarchitektur ist als Grundlage für eine künftige europäische Standardisierung von Rohrwaffe und Munition im Rahmen des MGCS-Programms gedacht.
Die Turmkonfiguration ohne Besatzung – die Crew sitzt geschützt in der Wanne – knüpft an das Konzept an, das KNDS mit dem Leopard 2 A‑RC 3.0 verfolgt: ein Panzer mit drei Mann Besatzung und einem modularen robotisierten Turm, der Bewaffnung von 120 bis 140 mm inklusive Autolader aufnehmen kann. Diese Designlinie spiegelt Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine wider, in dem sowohl die Überlebensfähigkeit der Besatzung als auch die Einbindung von Drohnenabwehr-Fähigkeiten – typischerweise über fernbediente 30‑mm-Waffenstationen – zu zentralen Anforderungen bei der Auslegung gepanzerter Fahrzeuge geworden sind.
Die wichtigsten, genannten Merkmale der Bewaffnung sind:
- Kanone: Ascalon 120 mm, skalierbar auf 140 mm.
- Turmtyp: unbemannt (robotisiert), mit Autolader.
- Munition: kompakt in teleskopischer Bauform (SHARD-Familie in 120 mm).
- Architektur: offen, als Basis für einen künftigen europäischen Standard und MGCS ausgelegt.
- Fahrgestell: deutschen Ursprungs, aus der Leopard-Familie abgeleitet.
- Hersteller: KNDS (deutsch-französische Gruppe).
Von Leclerc Evolution zu CAPINT: die KNDS-Roadmap
CAPINT fügt sich in eine Reihe von Entwicklungen ein, die KNDS auf den letzten Messeausgaben gezeigt hat. Auf der Eurosatory 2024 präsentierte das Unternehmen den Leclerc Evolution – mit bemanntem Turm und 120‑mm-Ascalon – sowie den Leopard 2 A‑RC 3.0 mit unbemanntem Turm und Ascalon-Kanone und den Demonstrator EMBT ADT140. Parallel dazu durchlief die Ascalon-Kanone mehrere Schiesskampagnen, da sie als Schlüsselelement der künftigen deutsch-französischen Hauptbewaffnung vorgesehen ist.
Gleichzeitig sichert die französische Armee ihre Panzerfähigkeit über die Modernisierung der Leclerc-Flotte ab: Die DGA bestellte insgesamt 200 Fahrzeuge zur Umrüstung auf den Standard XLR, mit geplanten Auslieferungen bis 2030 und 2035. Genau für die Zeit nach Abschluss dieser Modernisierung – bis zur Verfügbarkeit des MGCS – positioniert KNDS den CAPINT als verbindendes Element.
Zum jetzigen Zeitpunkt hat KNDS weder einen Entwicklungsfahrplan noch einen Zeitplan für die Indienststellung des CAPINT veröffentlicht. Ebenso wurden bislang keine offiziellen Entscheidungen der französischen Armee zur finalen Ausgestaltung ihrer intermediären Fähigkeit bekannt. In den kommenden Monaten werden weitere Angaben zur Plattform sowie zu den nächsten Programmschritten erwartet.
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