Stellen wir uns vor, Rudolf Diesel würde plötzlich deutlich weniger tot sein, sich kurzerhand ins 21. Jahrhundert beamen und eine Runde im BMW 535d drehen. Er dürfte sich wohl zufrieden auf die Schulter klopfen. Denn dieser Antrieb wirkt wie die bislang eindrucksvollste Ausprägung seiner Erfindung: ein drehmomentgeladener Schrecken mit Kennzahlen, die jeder Logik, der Wissenschaft und vermutlich noch ein paar weiteren Disziplinen widersprechen.
Motor und Leistungsdaten des BMW 535d
Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit zwei Turboladern wurde für die sechste Generation der 5er-Reihe umfassend überarbeitet. Das Ergebnis: 295 bhp (219 kW) und brachiale 442 lb ft (ca. 600 Nm) Drehmoment. Damit sprintet er in 5,7 Sekunden von 0–100 km/h (0–62 mph) – nur eine Sekunde langsamer als BMWs eigener M5 –, soll dabei aber 45 mpg (rund 6,3 l/100 km) schaffen und kommt auf lediglich 162 g/km CO2.
In einer grossen, schweren Luxuslimousine ist das… irgendwie falsch. Entweder hat BMW im Emissions-Büro irgendwo „einen frechen Fünfer“ zugesteckt, oder ein Ingenieur hat nebenbei ein neues physikalisches Gesetz entdeckt.
Fahrgefühl: Achtgang-Automatik, Durchzug und Alltagstempo
Das Merkwürdige daran: Bei grossen, schnellen Benzinmotoren bekommst du wenigstens akustisch mit, wie das Tempo steigt. Der 535d hingegen – bei ihm gibt es ausschliesslich die Achtgang-Automatik, also ein Getriebe mit „mindestens zwei Gängen mehr als nötig“ – gleitet auf einer gewaltigen Welle aus Drehmoment im unteren Drehzahlkeller dahin. Meist kratzt er kaum an 2.000 U/min, während er dich gleichzeitig Richtung dreistellige Geschwindigkeiten schiebt – und damit geradewegs in ein unangenehmes Gespräch mit „Her Majesty's law enforcement community“.
Im echten Strassenalltag würde der 535d den (mittlerweile eingestellten) M5 erstaunlich dicht bedrängen: Beim M5 musst du den V10 schon ordentlich arbeiten lassen, um seinen Sweet Spot zu treffen. Beim 535d sitzt die Kraft genau dort, wo man sie haben will – in monströsen, mühelosen Portionen abrufbar. Supersport-Limousinen-Tempo bei 40 mpg (etwa 7,1 l/100 km)? Warum eigentlich nicht?
Fahrwerk und Lenkung: nicht ganz der reine Sportler
Trotzdem ist das – zumindest in dem Wagen, den wir gefahren sind – nicht durch und durch eine Sportlimousine. Unser 535d war mit den optionalen adaptiven Dämpfern von BMW ausgerüstet. Selbst im schärfsten Modus liefern sie nicht ganz die Klarheit und Reinheit, die ein wirklich gutes passives Fahrwerk bieten kann.
Verschärft wird das durch die Aktivlenkung: Sie baut zwar ordentlich Gewicht auf, wirkt dabei aber ein wenig künstlich. Einen 535d mit passiver Dämpfung konnten wir bislang noch nicht testen – spannend wird, ob er sich dadurch ehrlicher und agiler anfühlt.
Preis, 530d-Alternative und der Aufpreis
Viel mehr steht dann auch nicht in der Rubrik „könnte besser sein“. Ja, der aufgerufene Preis von 45.000 £ für unseren Testwagen ist happig – zumal es den 530d, also die 241-bhp-Variante (180 kW) desselben Motors, für 3.500 £ weniger gibt. Das läuft auf stolze 64 £ pro zusätzlichem Pferdestärke hinaus.
Aber: Dieses Plus von 54 bhp macht aus dem 5er einen sehr guten, schnellen Wagen etwas anderes… einen SuperDiesel. Und als Zugabe schafft der 535d dieselben Emissionen und dieselbe Effizienz wie der 530d. Wer zwischen beiden schwankt, sollte den Aufpreis zahlen – für einen der besten Motoren der Geschichte. Genau so hätte es Rudolf gewollt.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen